Heute war Tomatenschlacht angesagt. Schon um 7.15h in der Früh radelten wir zum Bahnhof, um den Zug um 8.14h nach Buñol zu nehmen. Da wir die Zugtickets nicht im voraus kaufen konnten und wir nicht wussten, wie lange wir Schlange stehen müssen, wollten wir lieber rechtzeitig da sein. Aber darüber hätten wir uns gar keine Gedanken machen müssen, eine Schlange gab’s nicht. Um kurz nach 8h entdeckten wir die “La Tomatina”-Zeichen, die uns jedoch erst einmal vom Bahnhof weg führten. ?? Was ist das denn? Na, es stellte sich schnell heraus, dass man so viele Leute gar nicht am ‘normalen’ Bahnhof haben wollte und man uns erst einmal mit der Metro zu einem anderen Bahnhof fahren ließ. Hätten wir das mal eher gewußt, wären wir auch nicht zum Bahnhof geradelt, denn der ‘neue’ Bahnhof lag ganz in der Nähe unserer Wohnung. Da hätten wir also durchaus noch etwas länger schlafen können.
Im Zug dann bekamen wir erst einmal nur einen Platz auf dem Boden. Man muss sich das so ein bißchen wie Karneval in Köln vorstellen, wenn alle zum Heumarkt oder Neumarkt fahren. Nur eben ohne Kostüme – obwohl wir sahen auch einen als Tomate verkleideten Mann. Statt Kostümen hatten viele Leute Schwimmbrillen oder gar Taucherbrillen um den Hals. Die Brillen sollen davor schützen, dass man Tomaten oder Tomatensaft in die Augen bekommt – denn das brennt angeblich ganz schön.
In Buñol angekommen, kauften wir uns eine wasserdichte Kamera (für 12€!) und folgten einfach nur der Menge. Je näher wir in die Stadtmitte kamen (Buñol hat ungefähr 9.000 Einwohner), desto enger wurde es. Auffallend waren dort die Häuserfassaden, die zum Teil komplett mit Plastikplanen verdeckt waren – als Schutz gegen die Tomaten! Von den Dachterrassen oder aus den Fenstern der Häuser wurde das Treiben auf der Strasse beobachtet und auch gefilmt (La Tomatina wird jedes Jahr im Valencia TV live übertragen). Doch die Einwohner haben auch ihren Spaß und schütten immer wieder mal Eimer kaltes Wasser in die Menge – das wird in der Hitze doch als angenehme Abkühlung empfunden und oft auch von den Leuten gefordert. Und so wird man immer wieder mal vom Wasser aus Gartenschläuchen beregnet.
Wir ließen uns einfach nur treiben, immer schön mit dem Strom. Doch gab’s zwischendurch durchaus auch mal richtiges Gedränge – eben wie bei einem Konzert in den vordersten Reihen. Das ist nichts für Leute mit Platzangst! Und so war ich auch froh, als wir irgendwann an einem kleinen Platz ankamen – obwohl man das vor lauter Leuten erst gar nicht erkennen konnte -, wo wir uns für den Rest der Zeit aufhalten sollten.
Damit keine Langeweile bis zum Start der Tomatenschlacht aufkommt, werden einem durchaus auch schon mal die T-Shirts vom Leib gerissen. Und die werden dann quatschnass durch die Gegend geschmissen – auf die Stromleitungen, die Dekoration oder eben auch auf die Leute. Hier kann man sich schon mal aufs “Tomaten ducken” vorbereiten und versuchen, die doch wesentlich größeren Flugobjekte zu vermeiden, so dass sie nicht auf dir sondern auf dem Nachbarn landen. 
Mit unserer Platzwahl hatten wir unbewußterweise auch Glück, denn wir konnten das sogenannte Schinkenstürmen beobachten: Um 10h versuchen einige Leute, eine etwa 7m hohe, eingewachste Palme hochzuklettern, um an einen dort aufgehangenen Schinken zu gelangen. Aber nicht schön einer nach dem anderen – nee, nee – alle miteinander, übereinander, aufeinander, … und sobald dann einer am Schinken ist, gibt’s einen lauten Knall und die Tomatenschlacht ist eröffnet:
6 grosse LKWs, deren offenen Ladeflächen mit Tonnen überreifer Tomaten gefüllt sind, durchqueren nach und nach die engen Straßen Bunols. In den Tomaten auf der Ladefläche sitzen wiederum einige der Organisatoren, die nun nach und nach das rote Gemüse (Ist die Tomate Obst oder Gemüse?) auf die am Rande stehenden Leute werfen – genau wie in Kölle die Kamelle unters Volk gebracht wird, passiert’s hier mit den Tomaten. Und natürlich lässt man das nicht auf sich sitzen – wer wird schon gerne mit Tomaten beworfen? Also nimmt man sich die Reste, die im Gesicht, auf den Armen oder eben auf dem Boden landen und wirft zurück. Ich persönlich war froh, das ganze nicht auf der Straße zwischen den LKWs mitzumachen – das Gedränge war mir einfach doch zu groß – jedoch musste ich auch in der 6. Reihe am Straßenrand mächtig aufpassen. Von allen Seiten fliegen einem Tomaten um die Ohren – eine landete genau auf meiner Nase, eine andere auf meinem rechten Auge. Und selbst Al hatte seinen Spaß, mag er ja rohe Tomaten überhaupt nicht!
Nach etwa einer Stunde – ich nehme mal an, wenn die LKWs am Ende der Strecke angelangt sind – gibt es noch mal einen lauten Knall und die Schlacht ist beendet. Danach ist das Werfen von Tomaten nicht mehr erlaubt und wird auch überwiegend eingehalten. Jetzt gilt es, nochmal unter einen Eimer Wasser oder einen Gartenschlauch zu kommen, um die vielen Tomaten-Überreste aus den Haaren und Klamotten zu bekommen. Doch nicht bevor wir uns unseren Weg durch den teilweise knöchelhohen Tomatenfluß gebahnt haben …
Ob die Bilder, die wir mit unserer Einwegkamera geschossen haben, etwas geworden sind, müssen wir abwarten. Wer so lange nicht warten möchte, kann sich hier ein Video aus dem Jahr 2007 anschauen.
Über die Tradition von La tomatina gibt es einige Theorien, die man hier nachlesen kann.
Und wer für’s nächste Jahr (26.08.2009) buchen möchte, der kann sich mal hier umschauen.